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Der unvergessliche Charme des Studentenheims Das Studentenleben wird erst im Wohnheim richtig bunt - Vor allem ausländische Studenten schätzen die Atmosphäre, zumal sie hier wenigstens 'mal deutsche Kommilitonen kennen lernen Abends um 22:36 Uhr hält ein überfüllter Bus in der Scheidter Straße in Saarbrücken. Die Türen gehen auf, und schnell sucht man sich einen letzten Stehplatz zwischen den vielen Studenten. Hier und da ein lautes "Hallo", und ab geht es in Richtung Saarbrücker Unicampus zur berühmt-berüchtigten "Wohnheim-D"-Party. Zweimal pro Semester veranstaltet das Wohnheim diese Party und strengt sich dabei mächtig an: Jeder Flur baut seinen eigenen Stand auf und verkauft Schwenker, Couscous, Bier oder Tequila Sunrise.Kaum auf dem Campus angekommen, pilgern auch schon fast alle Businsassen in Richtung Wohnheim. Ab jetzt sind die Spielregeln klar: einfach ins Getümmel stürzen, Schwenker essen, frisch gezapftes Bier trinken, die schöne Atmosphäre genießen und feiern. Wird das Gedränge drinnen zu viel, kann man draußen Luft schnappen und den Leuten Gesellschaft leisten, die dort geduldig auf ihre Bratwurst warten. Dabei fällt der Blick gezwungenermaßen auf die verdunkelten kleinen Fenster des Wohnheims, die zum Hof zeigen. Wie kann man nur freiwillig in einem so kleinen Zimmer wohnen? Und das auch noch über mehrere Jahre hinweg? Zugegeben, die Flure erinnern eher an ein Internat oder ein Krankenhaus als an ein Studenten-Wohnheim. Es gibt deshalb auch kaum Studenten, die während ihres gesamten Studiums im Wohnheim bleiben, erklärt die Bewohnerin Kerstin Strupp, 22. "Natürlich ist es nicht immer leicht, sich Küche, Toilette und Dusche mit 26 anderen auf dem Flur zu teilen. Und laut ist es auch manchmal. Aber das Wohnheim hat einfach einen unvergesslichen Charme, den ich nicht missen möchte," erklärt Kerstin. Wie lange sie noch in einem typischen "Heim-D-Zimmer" wohnen wird, hängt davon ab, ob sie eines der begehrten Einzelapartments im fünften Stock bekommt. Da sei es dann doch etwas ruhiger, räumt Kerstin ein. Entsprechend heiß begehrt bei den "Heimlingen" sind denn auch die 48 Einzelapartments in der "bel étage" mit eigenem Bad und eigener Küche. Die Wartezeit beträgt bis zu einem Jahr. Und zur Party im Hof kann man trotz der vornehmeren Wohnlage ja dann immer noch gehen. Der 23-jährige Hubertus Weyer beispielsweise kommt immer sehr gerne zu den Partys, kann sich aber trotzdem nicht vorstellen, im "Heim D" zu wohnen: "Ich bin in keiner Extremsituation und muss nicht so billig wie möglich leben. Es geht mir nicht nur ums Überleben, sondern darum, zu leben!" Konkurrenzlos billig ist das "Heim D" tatsächlich: Die Mietkosten von knapp 230 Mark (warm) und der kostenlose Internet-Anschluss halten beispielsweise auch Kian Min Soh, 27, aus Malaysia davon ab, in die Stadt zu ziehen. Etwas luxuriöser ist es da schon im Wohnheim Waldhaus, wo die Zimmer immerhin mit eigenem Bad und Kochnische ausgestattet sind. Doch auch hier ist es für Hubertus Weyer unbegreiflich, wie Studenten es länger als ein Semester dort aushalten können. Er selbst hat dort zwei Semester gewohnt, ist aber froh, jetzt in eine Wohngemeinschaft gezogen zu sein: "Am Anfang hat man zwar sehr schnell Leute kennengelernt, aber die Zimmer sind einfach zu klein. Und sobald man in der Küche ein Steak in die Pfanne haut, verwandelt sich der ganze Raum in Rauch. Außerdem hat mich die Hellhörigkeit einfach genervt. Man kann ja fast jedes Wort der Nachbarn verstehen." Auch Kerstin Strupp hätte ab und zu ganz gerne ein bisschen mehr Privatsphäre in ihrem "Heim D", denn egal, was man auch mache, nichts bleibe unbemerkt. Dafür aber lobt sie den Zusammenhalt: Man schimpft, schwätzt, feiert, kocht und schwenkt gemeinsam. "Und man lernt Leute kennen, denen man sonst niemals begegnen würde", ergänzt sie. In der Tat werden viele Zimmer im "Wohnheim D" an ausländische Studierende vergeben. Da sie meist nur ein Semester in Saarbrücken bleiben, wechselt im Schnitt pro Jahr die Hälfte der Bewohner. Die Leute im "Heim D" sind deshalb aufgeschlossen gegenüber "Neuen", und reger Kontakt zwischen den Ausländern und den Deutschen gehört zu den Selbstverständlichkeiten. Im Waldhaus scheint dies auf Grund der Raumaufteilung weniger der Fall zu sein: "Ich denke, man lernt sich im Waldhaus nicht so leicht kennen wie im Heim D", meint Hubertus Weyer dazu, "die Irin von meinem Flur kannte ich nur vom Sehen. Auf dem Campus scheint das schon wegen der Gemeinschaftsküche besser zu funktionieren". Auch die Griechin Ourania Athousaki, 23, hat die meisten Leute vom Flur in der Küche kennengelernt: "Ich fand es von Anfang an sehr witzig, wie wir alle zusammen das Gemüse gekauft, geschnitten und zubereitet haben. Ich will ja in Saarbrücken nicht unter Griechen bleiben, sondern auch Deutsche kennenlernen", meint sie. Und schon verschwindet sie mit einem dampfenden Schwenker auf dem Pappteller wieder im Gewühl der Menge. CHARLOTTE MEYER |